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Workcampteilnehmerin Silvia streicht ein Fenster

12.08.2010

3. Bericht Kolping Workcamp 2010

Liebe Familien, liebe Freunde, liebe Kolping-Leute, liebe Alle!

Zunaechst moechten wir uns entschuldigen, dass Ihr so lange auf unsere naechste Nachricht und unsere Eindruecke warten musstet. Ausserdem ein dickes sorry fuer die Schreibweise (mit ue, ae, ss, etc.), die englische Tastatur ist etwas gewoehnungsbeduerftig!
Am 06.08.2010 sind wir um ca. 09Uhr30 von Nairobi nach Kilimambogo (Kili = Huegel, Mambogo = Bueffel) gefahren.  Die Fahrt sollte eine “afrikanische Stunde“ lang dauern, de facto haben wir ca. 2 Stunden gebraucht, in Nairobi war unglaublich viel Verkehr und unser Busfahrer Anthony ist besonders vorsichtig und sicher gefahren. Die Strassen in Kenia sind keineswegs mit den Strassen in Oesterreich vergleichbar, Schlagloecher und hohe Bodenewellen sind gang und gebe. Mit etwa 40 bis 50 km/h sind wir gemuetlich dahin gefahren.
Als wir beim Kolping Centre in Kilimambogo ankamen, wurden wir so herzlich wie noch nie begruesst – unglaublich!
Das Tor stand bereits offen, die gesamte Crew sowie alle SchuelerInnen standen beim Eingang und haben geklatscht, gesungen und getanzt – es war wie ein Festzug fuer uns. Wir haben uns den singenden und tanzenden Gastgebern angeschlossen und versucht, mitzutanzen. Die gesamte „Prozession“ war sehr emotional!! Nachdem sich die Crew selbst und auch die SchuelerInnen vorgestellt hatte, bekam jeder Workcamp-Teilnehmer einen kleinen Strauss Rosen. Nachdem wir uns im Gaestebuch verewigt hatten, wurden die Zimmer aufgeteilt und anschliessend alle TeilnehmerInnen in unterschiedliche Arbeitsgruppen eingeteilt. 1. bush planting: team leader „Mr. Karl“, Irena, Josi und Ulli
2. painting (walls and roofs): Sylvia, Christine, Antonia und Michaela, 3. computer repair: “Mr. Sebastian” und Hannes, 4. cow shed/staff house: team leaders “Simone and Elisabeth”, Philipp, Negar, Sabrina und Vooria.
Am Abend gab es eine beeindruckende “Welcome Party” fuer uns (traditional dances, drama, choral, verse und poems in AFRICAN STYLE). Schliesslich wurden wir zum tanzen aufgefordert, die Stimmung war unbeschreiblich gut, wir fuehlen uns hier vom ersten Tag an super wohl, augenommen und auch innerhalb der Oesterreich-Gruppe passt alles. Nach der African-Party gab es kenianisches Essen (Reis mit Fleisch, eine Art Polenta mit erdigem Geschmack, Suesskartoffelpuerree mit schwarzen Bohnen, Suesskartoffeln, eine andere Kartoffelsorte mit weisser Haut, gegrilltes Huhn, beef-Gulasch (dieses schmeckt wie eine Suppe und ist definitiv ein Highlight. Sie wird als Beilagensauce zu jedem Gericht gegessen) und Salat (mit Essig und Mayonaise angeruehrt).
An unserem zweiten Morgen in Kilimambogo mussten wir sehr lange auf unser Fruehstueck warten und hier haben wir deutlich gesehen, dass die „afrikanische“ Uhr anders tickt als die penibel genaue und minutioese oesterreichische Uhr. Erstaunt waren wir auch, wie kalt es eigentlich in Kilimambogo ist. In Nairobi haben wir naemlich gehoert, dass es hier viel waermer sein soll als in der Hauptstadt. Jedoch ist es in der Frueh sehr frisch, wir tragen alle einen Pullover, manche von uns sogar eine Jacke. Mittlerweile haben wir Oesterreicher und Kenianer uns ganz gut aneinander angepasst. Wir kommen einfach 30Minuten spaeter zum Essen und die Kenianer versuchen das Essen 30Minuten frueher zu servieren.
Negar und ich durften in den letzten Tagen sehr viel in der Kueche helfen (Geschirr abwaschen: es werden taeglich ueber 80 Menschen verpflegt und das Geschirr (Teller, Besteck, Glaeser, Haeferl, etc.) mit der Hand gewaschen.
Am 6. Tag (8.8.10; Sonntag) waren wir bei Fourteen Falls. Konrad, Robert und ein paar Jungs haben uns einen guten Eintrittspreis verhandelt (die Einheimischen duerfen gratis zu den Fourteen Falls, bei den Touristen werden teilweise total ueberzogene Preise verlangt (Info Robert)). Fourteen Falls war definitiv fuer uns alle ein beeindruckendes Erlebnis, ein Grossteil der Gruppe ist dann mit Booten auf die andere Seite des Ufers gefahren und hat von dort die Aussicht und die Natur genossen, einige andere wollten nicht mitfahren. Zu den Fourteen Falls sind wir mit „unserem“ Kolping-Bus gefahren und ins Centre zurueck sind wir dann zu Fuss gegangen.
An unserem 7. Tag haben wir unseren ersten Skorpion gesichtet, alle waren sehr beeindruckt und haben viele Fotos geschossen – ausserdem haben wir eine neue Erkenntnis gewonnen: Gehe nach Einbruch der Dunkelheit niemals mit Flip Flops durchs Gras, wenn du nicht weisst, wo du hin steigst.
Heute ist unser achter Tag in Kenia. Bereits gestern hatte die bush planting group ihre Aufgaben erfuellt. Irena ist mit Anthony, unserem Driver, nach Thika (eine Stadt nahe Kilimambogo, ca. 15 Autominuten) gefahren und hat neue Pflanzen gekauft, die die bush-planting group heute einsetzt.
Die painting-group hat auch schon grosse Fortschritte erzielt; Sebastian und Hannes haben schon einige Stand-PCs und einen Laptop gemeinsam mit den Students der computer-section zusammengebaut, das Grundgestell des Cow-Shed steht auch schon, wurde gestern gestrichen, momentan wird in der Naehe des Staff-House ein Fundament gesetzt, Elisabeth, Simone und die anderen waren zu Beginn erstaunt, wie der Zement gemischt wird (er wird per Hand gemischt und es werden dafuer grosse Steine verwendet).
Heute, Tag 8 (10.08.10) wurden Konrad und Ulli von John Matenge zur Kolping-Oesterreich-Kenia-Besprechung gerufen. Wir haben einige neue Projektideen von John fuer das Kolping Vocational Training Centre in Kilimambogo diskutiert und anschliessend gefragt, welche Speisen sie an unserem letzten Tag hier in Kilimambogo essen moechten. Die Oesterreich-Gruppe plant naemlich einen oesterreichischen Abend mit Wiener Schnitzel und Erdaepfelgulasch fuer die gesamte Crew und alle Burschen (ca. 100 Portionen werden gekocht). John meint, seine Crew und die Jugendlichen „are going to taste „Europe“ on this evening“.

Ich hoffe, ich konnte Euch Daheimgebliebenen einen kleinen Ueberblick und allgemeinen Eindruck von Kilimambogo vermitteln. In Kenia selbst fuehre ich ein Tagebuch, in dem genau festgehalten wird, was wir jeden Tag machen, was wir erleben, etc. In dieses Buch schreiben hin und wieder die anderen Workcamp-TeilnehmerInnen einige Kommentare bzw. ihre persoenlichen Eindruecke hinein.
Die weiteren, nach Nairobi gesammelten, Eindruecke der Mitglieder moechte ich nun abtippen, um sie moeglichst authentisch zu halten.

Am 5.8.10 wurden von einem defekten Stromkabel aufgehalten. Simone schreibt dazu:
Wir haben vergessen, das Stromkabel zu erwaehnen... Auf dem Weg von Langata zum Waisenhaus „The Nest“ stockt ploetzlich der Verkehr – ein Kabel der Stromleitungen haengt knapp ueber der Strasse. In Oesterreich waere schon eine riesige Feuerwehrabordnung vor Ort... Was machen die Kenianer? Nein, sie denken nicht daran, die Polizei zu rufen. Einer nimmt einen Stock und haelt das Kabel in die Hoehe. Der Weg ist frei und ein Bus voller Musungus (Weisse) kann nicht aufhoeren Fotos zu knipsen


Negar: Ich dache, Kenia ist ein Land der Gegensaetze, aber desto mehr ich dieses Land – von dem ich bisher nur sehr wenig gesehen habe – erlebe, desto mehr glaube ich, dass diese Gegensaetze in mir selbst sind: ich bin undglaublich erschuettert und traurig ueber die Armut, die ich sehe und zur gleichen Zeit denke ich daran, was ich am Abend alles essen werde oder was ich mir am Markt kaufe... mir reisst es die Traenen in die Augen, wenn ich an Badu denke, der Junge vom Markt mit der dreckigen Kleidung, und eine Stunde spaeter steh ich vorm Spiegel in meinem geraumigen Zimmer und frag mich, ob ich diese Bluse zu jener Hose tragen kann... Und wenn ich so darueber nachdenke, kann ich mich selbst nicht leiden.


Sabrina: So herzlich empfangen wie in Kilimambogo wurde ich noch nie! Die Menschen strahlen so viel Herzlichkeit und Waerme aus, die so ansteckend ist, dass man nur froehlich sein kann! Die Arbeit macht somit auch extrem viel Spass!


Antonia: Ich geniesse jeden Augenblick unserer Reise! Die Offenheit der Leute hier ist einzigartig! Die naechste Reise nach Kenia ist schon gebucht!


Christine: lustige Abende, aktive Vormittage & Nachmittage, viel Gelaechter, erschreckend: der Muell; super nette, lustige, Gruppe, die wir da haben, kurze Naechte, viel zu trinken, Vodka, Rotwein, Bier, betrunkene Leute *ggg*, Lieder singen wollen, ohne die Texte zu koennen, viele Gespraeche, Soccer, Volleyball, 14 Falls
Tagesablauf:
Essen (breakfast)
Work
Essen (Tea break)
Work
Essen (lunch)
Work
Essen (dinner/supper)
es wird zu oft gegessen, es wird zu viel geraucht
Freu mich auf weitere lustige Abende und erfolgreiche Arbeitstage

 

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